GPX-Daten der Etappe

Gestern und vorgestern hat sich der Himmel wenigstens die Mühe gemacht, mich mit viel blau und etwas weiß auf’s Rad zu locken. Ich verließ die graue Stadt am grauen Inn unter weinenden grauen Wolken.
Ein Kilometer auf der B173 heißt, man wird 30 mal von lauten schwerbeladenen Lkw überholt und bedrängt. Dann darf man auf den Eitalradweg neben der Straße ausweichen. Angesichts des bisherigen Etappenverlaufs ein Booster für meine Stimmung.
Man verliert im Anstieg nach Söll den ein oder anderen, dem Gelände zum Teil mühsam abgerungenen Höhenmeter, in der Summe etwa Hundert.
Das touristische Highlight ist der Blick auf die Hohe Salve, einem beliebten Ausflugs- und Aussichtsberg am Rande meiner Reiseroute. Im Winter gehört der zum hiesigen Skigebiet „Wilder Kaiser / Hochbrixen“.

Bis zum Gasthof Oberstegen, wo ich nach 45 Minuten vom Radweg abbog, war die Straße immer in Hörweite. Nun wurde es besser!

Die Straße nach Söll war ruhig, es gab einen Teich und vor dem Ort einen Abschnitt mit netten Straßenlaternen. Weil das Tageslicht es einfach nicht durch die grauen Wolken schaffte, leuchteten die sogar.
Die Hauptstraße in Söll heißt „Dorf“, der Ort ist also nicht besonders groß, besitzt aber einen hübschen Marktplatz, morgens um halb zehn und bei diesem Wetter natürlich verwaist.

Die Seilbahnstation der Hexenwasserseilbahn gehört noch zu Söll und bringt den weniger ehrgeizigen Wanderer oder Biker ins 400 m höher gelegen Hochsöll.
Mit durchschnittlich 10% Steigung ist der Weg hinauf schon ziemlich steil, auf Teer aber gut machbar.
Direkt an der Talstation überholte mich ein Mountainbiker, Hardtail, kein Rucksack und etwa 30 Jahre jünger als ich. Ein fairer Wettkampf also. Ich hängte mich an ihn dran, konnte ihm auch eine Zeit lang folgen, verschwendete aber viele Körner, die ich später noch brauchen würde. Mit stetig abnehmender Intensität gelangte ich trotzdem flott, von außen durch den Regen, von innen durch meinen eigenen Schweiß völlig durchnässt zum Weiler Salvenberg.
Von dort rollt man ein Paar Meter hinunter nach Hochsöll, genug um vom Schwitzen zum Frieren überzugehen.
Trotz des widrigen Wetters war in Hochsöll einiges los, hauptsächlich Kinder hatten ihren Spaß.
Alles heißt hier irgendwie Hexenwasser. Der Begriff hat wohl keinen besonderen Bezug zu Kultur oder Geschichte dieser Gegend sondern entstammt einem scheinbar recht erfolgreichen Marketingkonzept.

Von Hochsöll zum Filzalmsee in Hochbrixen geht es tendenziell immer noch bergauf.
Das Wetter hatte kein Einsehen. Mein ursprünglicher Plan, nochmal 230 Höhenmeter für den Sun-Trail zu investieren hatte sich im Regenwasser aufgelöst.
Mein Horrorszenario: Gehunfähig nach einem blöden Sturz über eine nasse Wurzel durchnass in menschenleerer Gegend ohne Handynetz und Weißbier.
Die Dämpfer meines Fullys murrten ein wenig, als ich die Straße nach Brixen hinunterrollte. Vielleicht würden sie ja am Hahnenkamm zu ihrem Recht kommen.

Der Radweg von Brixen nach Kirchberg bot eine Gelegenheit, den durchgefrorenen Radfahrer wieder ein wenig aufzuwärmen. Hin und wieder schaute sogar die Sonne herunter. Der Regen war in Brixen nach Osten abgebogen und signalisierte mit Blitz und Donner, dass mit ihm noch zu rechnen sei.
Bis zur Ochsalm wollte ich es vor dem Gewitter unbedingt noch schaffen.
Als ich so richtig im Anstieg war, war das Gewitter weg, meine Flaschen und meine Beine leer.
Ich muss meine Verpflegung stärker priorisieren!
Bis zur Ochsalm quälte ich mich immer wieder auch schiebend hinauf, den Mountainbiker aus Söll verfluchend, der mich zu jenem Duell herausgefordert hatte.
Die Panoramfenster der Alm waren zugeschoben und die Sonne heizte diesen Wintergarten auf angenehme Temperaturen. Ich gönnte mir 50 Minuten Pause, etwas zu Essen und reichlich zu Trinken.

Dann ging es wieder bergauf. Ich merkte schon im Anstieg, dass ich mich zunehmend besser fühlte. Die letzten Meter zum höchsten Punkt des Tages am Hahnenkamm fuhr ich mit dem Sonnenrastlift um die Wette und gewann.

Der Beginn des Hahnenkammtrails ist zugleich ein exzellenter Aussichtspunkt.

Der Trail nach Kitzbühel hinunter war noch nass. Allerdings ist er so gut präpariert, dass er auch jetzt noch gut zu befahren war.
Der obere Teil ist harmlos, macht aber Spaß. Ich habe ein wenig mit der Drohne gefilmt, bevor es dann zum schwierigeren Abschnitt in den Wald ging.
Nach gut 6 km endet der Trail an einer Bikewaschanlage, vom man mit 20 bar Wasserdruck das Bike von Matsch und Kettenöl befreien kann.
Ein versöhnlicher Abschluss nach einem durchwachsenen Fahrradtag.

Ich habe in der Frühstückspension Mühlberger Hof zu einem annehmbaren Preis eine gute Unterkunft gefunden.
Fürs Abendbrot bin ich etwas durch den Ort gewandert, habe zum ersten Mal bewusst einen Aston Martin gesehen und bin vielen gut angezogenen und entsprechend wohlriechenden Menschen begegnet. Irgendwo gab es ein Gasthaus mit einer kleinen Terasse, Pizza und Weizenbier.
Auf dem Nachhauseweg stieß ich noch auf ein Konzert im Park. Penny Lane als Blasmusik.

Gegenüber meines Hotels konnte man den Zielhang der Streif sehen.

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