
Heute galt es Strecke zu machen. Das Inntal kam nicht infrage. Flach, an der Autobahn mit ihrem Lärm und Gestank entlang, das kann ich auch zuhause haben. So entstand diese nur mäßig gebirgige Route nördlich des Inns.
Von der Plumsjochhütte bin ich ein Stück auf dem Track von gestern zurück zur Plumsjochstraße. So brauchte ich nicht morgens schon schieben und ersparte mir wichtige sechs Höhenmeter. Kurz hinter dem „Gipfelkreuz“ treffen die beiden Alternativen wieder zusammen und dann geht es auch schon los. 2,5 Kilometer mit durchschnittlich 17 % Gefälle.



Früher (2010) war das loser Schotter. Inzwischen ist die Fahrbahndecke gut befestigt, was besonders vor den Kehren beruhigend ist. Bremsen und Steuern schließen einander nicht mehr aus. Die bewegten Bilder der Drohne vermitteln ein Gefühl für die Neigung. Fotos gelingt das nicht.
Bei Komoot steht etwas von einem Singletrail, aber single ist die Straße bis zur Gernalm hinunter an keiner Stelle. Spektakulär ist es trotzdem.




Bei der Gernalm beginnt die geteerte Straße nach Pertisau.
Man könnte aber auch die Straße unmittelbar hinter der Alm wieder verlassen und hinter der Pletzachalm auf dem Oberen Seebergsteig, ein echter Singletrail mit acht engen Haarnadelkurven am Ende, zum Achensee hinunter wandern.



Das Tiroler Meer ist achteinhalb Kilometer lang und immer etwa ein Kilometer breit.
Von Pertisau muss man mit dem Rad nach Süden. Der Gaisalmsteig am Westufer ist nichts für Biker.
Der Radweg andererseits bietet 15 km lockeres Radeln mit Seeblick. Nett, hätte es nicht wieder geregnet.





Als ich den See hinter mir gelassen hatte, merkte ich, wie mein Tritt schwerer wurde. Ich begann nach Luft zu ringen. Zwei E-Biker überholten mich, riefen mir irgendwelche Komplimente zu, die ich nun auch noch mit au den Berg schleppen musste.
Wenn man durchschnittlich 10% Steigung hat, sind immer auch Abschnitte mit 15 oder mehr Prozenten dabei.
Bis zur Köglalm kann man das aushalten. Dann wird es aber nochmal steiler und aus der gepflegten Waldstraße wird ein grober Wirtschaftsweg. Auch Schieben war eine Plackerei.




Der Pass verabschiedet sich mit einem netten Trail mit Steilkurve.
Immer oberhalb des Gaismoosbachs beginnt nun der lange Weg nach Osten.
Vor Steinberg am Rofan wollte ich den Schönjochtal-Trail zum Gaismoosstollen fahren. Der Weg war gesperrt und drastische Warnhinweise schüchterten den Singlebiker ein: Wer würde mich auf einem gesperrten Weg finden …
Hinter Steinberg, präziser Vordersteinberg beginnt eine lange Waldstraße, über weite Strecken geteert und glücklicherweise fast ständig bergab. Ich achtete wenig auf Verpflegungsgelegenheiten, ließ eine Alm, die Schönjochalm, die mich geradezu einlud, links liegen.
In Pinegg waren meine Flaschen fast leer, die zwei Häuser an der Strecke versprachen keine Abhilfe.
An der Kaiserklamm und am Kaiserhaus standen unzählige Autos, da wollte ich nicht hin. Hätte ich die Karte studiert, hätte ich gewusst, dass es nun ins gastronomische Nirgendwo ging.
Mit dem letzten Tropfen Tee spülte ich einen klebrigen Müsliriegel hinunter. Das war’s!



Elbach und Glemmbach begleiteten mich ein wenig, aber ich traute ihnen nicht. Auch nicht den anderen Bächen, die ich zunehmend missmutiger überquerte. Die Gegend ist nicht schlecht, für Radtouristen vermutlich sogar attraktiv. Für mich aber eine endlose Kurbelei und obwohl alles umher nass war, trocknete ich aus.
Der Rochenbach wird oberhalb des Inntals zu einem kleinen Teich aufgestaut. Der Weg an der Ostseite ist nicht befahrbar und auch hinter der Staumauer gibt es noch eine Weile Anlass, sein Bike zu tragen.
Die Westseite wäre vermutlich die bessere Wahl gewesen. Man kann dort auf G2-Wegen zur Kufsteiner Straße ‚runter, die ich erst an der Autobahn erreichte.
200 m vor meinem Hotel gab es auf dem Parklatz eines Supermarktes eine Imbissbude. Dort habe ich die besten Weizenbiere und die besten Debrezciner Würstchen meines Lebens gegessen.



Ich war noch nie in Kufstein und ich will da auch nicht wieder hin. Der Inn war grau vom Regen, Beschaulichkeit und Gemütlichkeit waren gut versteckt.
Mein Hotel, den Lanthaler Hof, kann ich weiterempfehlen. Leider war das Restaurant geschlossen.